Das zweite Ibogabällchen schafft es
auch in meinen Magen zu gelangen, dadurch wurde das erste direkt unter
mein Herz befördert (ich hatte das Gefühl, dass Iboga sich selbst
dahin getan hatte) Iboga drückt stark auf mein Herz, von unten nach
oben, und ich werde von einer Hitzewelle überschwemmt. In meiner Brust
fühle ich einen horizontalen Balken liegen und die Hitze wird immer stärker.
In meinem Kopf kann ich mich errinnern, ich habe das schonmal gefühlt-
ich entsinne mich den Tod schonmal so gefühlt zu haben- ich weiss, dass
mein Herz still steht, und instinktiv atme ich ganz stark durch und
stoppe damit diesen Prozess. Der Druck lässt nach, und nach mehreren
grossen Einatmungen, werde ich ruhiger, dann wird der Druck wieder stärker
und schneller, ich atme wieder stärker... ich weiss nicht wie oft sich
das wiederholte, 5 oder 6 Mal und ich verstand, dass ich das nicht ewig
unter Kontrolle halten konnte. Trotz der Angst dachte ich daran was
Mallendi uns Nachmittags gesagt hatte (oder er führte mich direkt, ich
weiss es nicht)
“ die Angst muss sich in Mut
verwandeln, der Mut in Vertrauen, und das Vertrauen macht den Willen
stark” Dann kann ich loslassen denn ich habe Vertrauen in Iboga. Der
Druck kommt wieder, die Hitze wird unerträglich und dann saust mir ein
Pfeil durch das Herz und kommt oben heraus und explodiert in meinem
Gehirn. Nichts mehr...
Wenn ich sehr konzentriert war, sah ich
manchmal die vielen Gesichter sich auflösen und der Spiegel war leer,
aber ich konnte diese beiden Bilder, von denen uns Mallendi erzählt
hatte nicht erkennen. Er hatte uns gesagt, dass wir ihnen Fragen stellen
können und die Antwort würde uns durch ein anderes Bild
gegeben. Dann kann man dem neuen Bild
eine neue Frage stellen und die Antwort wird wieder durch ein anderes
Bild gegeben und so weiter...
Mein innerlicher Dialog war jetzt sehr
intensiv und aufeinmal, überrascht durch einen Gedanken fühlte ich wie
das Ibogabällchen in meinem Magen brannte. Da verstand ich , dass
dieser Gedanke Iboga gehörte, ab dem moment hatte ich ein richtiges
Gespräch mit der Pflanze. Wenn ich nicht sofort erkannte, dass der
Gedanke von ihr kam, spürte ich es wieder in meinem Magen brennen.
Ausserdem hatte Iboga einen starken afrikanischen Accent, den selben wie
Mallendi, und meine eigenen Gedanken hatten
ihn lustigerweise auch.
Ein drittes Bällchen und dann ein
viertes werden verteilt, genau wie in der letzten Nacht immer mit einer
Stunde dazwischen.
Ich habe mich hingelegt, sehr müde,
aber der Kopf so leicht und voller Gedanken, dass ich nicht schlafen
konnte (es gab so viel zu sehen !).
Um das Fenster herum bewegte sich ein
Pfeil und zeigte nach draussen wo es gerade hell wurde, Iboga wollte
raus. Ich duschte, ging noch schnell in die Küche des Schlosses um
einen Orangensaft zu trinken und ging nach draussen.
Draussen sagt Iboga “ Jetzt musst du
deinen Bart abrasieren”. “hum,”sagte ich
peinlich berührt, ”warte ein bisschen,
lass uns später darüber reden”. Iboga:”und höre auf für diese
Firma zu arbeiten, die bald bankrott machen wird”. “Aber...,was soll
denn das nun? Es war doch die Rede davon,dass ich die Wahl treffe” und
da meinte ich die Pflanze lachen zu hören:” du hast aber Zeit
gebraucht ! Also was machen
wir jetzt?”.
Nachmittags waren alle versammelt, jeder
erzählte von seinen Erlebnissen. Früher wäre ich niemals in der Lage
gewesen vor mehr als 2 Personen auch nur einen korrekten Satz
hervorzubringen. Aber hier, möchte ich erzählen, ich suche das
Wichtigste aus den tausend Dingen die ich zu sagen habe, heraus.
Während ich sehe wie die anderen mir
zuhören, empfange ich die Energie die sie mir zusenden. Am Ende sagen
mir alle:”bassé”( Gratulation), ich explodiere fast vor Freude und
sage ihnen auch “bassé”(danke).
Ich erzählte auch meinen nahen
Familienangehörigen meine Erfahrung und zum ersten Mal sagte ich zu
meinem Sohn mit feuchten Augen, dass ich ihn liebe.
Mir
ist bewusst wie empfindlich mein Gewinn ist, die tägliche in Frage
stellung, ich bin am Anfang einer grossen Veränderung, alles andere ist
noch zu sagen und vor allen Dingen zu leben. Heute, einen Monat nach dem
Seminar, habe ich das Gefühl mich in meiner Haut wohl zu fühlen und in
der Gesellschaft meinen Platz einzunehmen. Das ist viel mehr wert als im
Lotto zu gewinnen, aber auch viel schwieriger zu behalten, es auf keinen
Fall in einen Tresor ein zuschliessen sondern es zu kultivieren und es
leben zu lassen